Im
Laufe unseres Lebens erwerben wir eine Menge an Wissen und
Fertigkeiten. Selten gehört die Fähigkeit dazu, über Erlebtes zu
reflektieren, sich selbst besser wahrzunehmen und zu verstehen. In
Ermangelung dessen bewegen wir uns oft jahrelang in einem Umfeld in dem
wir allmählich leer laufen. Wir sehen kaum Möglichkeiten etwas zu ändern
oder haben nicht die Kraft dafür. Wir akzeptieren die Situation.
Anderen geht es schließlich auch nicht besser. Oft zwingt uns nach
vielen Jahren unser Körper in eine Auseinandersetzung. Weil er nicht
mehr wie gewünscht funktioniert, beginnen wir uns verunsichert der
Ursachenforschung zu stellen.
Die
Zahl der Menschen, die in ihrem Arbeitsumfeld ausbrennen, steigt von
Jahr zu Jahr. Wer nicht betroffen ist, zählt nicht automatisch zu den
Zufriedenen. Viele schaffen es, sich zu arrangieren. Mich erstaunen
immer wieder Menschen der Altersgruppe 50+ , die genau sagen können, wie
viele Tage sie noch bis zur Rente arbeiten müssen und wie ihr Leben bis
dahin verläuft. Ein Zeitraum in dem sie im Überlebensmodus agieren.
Ihre Augen sind leer. Sie haben sich abgefunden. Noch ein paar Jahre,
dann ist es geschafft. Dabei übersehen sie, dass es hier um ihre
Lebenszeit geht.
Solche
Beispiele werden sich stetig wiederholen, so lange Schüler ihre
Schulzeit beenden, ohne ein Gespür für ihre Interessen und Stärken
entwickelt zu haben. Bei der Berufs-oder Studienwahl sind sie auf die
Hilfe von Menschen angewiesen, die sie nicht kennen. Einerseits kann
eine solche Beratung sehr nützlich sein. Andererseits sind deren
Möglichkeiten sehr begrenzt, wenn die Ratsuchenden kein Gespür für die
Richtung haben, in die es gehen soll. Sie entscheiden sich für eine
Ausbildung oder ein Studium, das „aussichtsreich“ ist und ihren Noten
entspricht.
Sicher, es gibt auch die positiven Beispiele. Noch sind es zu wenige. Menschen,
die von Anfang an oder nach einer Zäsur einer Spur in ihrem Leben
folgen. Sie schaffen Beachtliches, gehen in ihrem Beruf auf oder gründen
Unternehmen, engagieren sich sozial, helfen ehrenamtlich in der
Nachbarschaft usw.. Sie nehmen Risiken auf sich, akzeptieren (temporär)
eine größere Belastung hinsichtlich Zeit und Kraft oder sind einfach
ganz normale Menschen mit einem ganz normalen Leben, die eine große
Zufriedenheit ausstrahlen. Warum? Weil da wo sie wirken viel Energie
zurück fließt. Weil sie sind, wo es für sie richtig ist. Weil sie
Einfluss nehmen könne auf die Arbeit, die sie tun und diese sie erfüllt
und weil sie eine Ahnung haben, wie sie leben wollen.
Ist es utopisch, anmaßend oder einfach nur ein Zeugnis gesunden Menschenverstands, dass wir unsere Kraft und Zeit in Tätigkeiten und Themenfelder investieren, bei denen Energie zu uns zurück fließt? Sich mit den eigenen Energiequellen zu beschäftigen ist aus meiner Sicht eine Präventionsmaßnahme in Sachen Gesundheit, Zufriedenheit und Wirksamkeit in unserem Leben. Die Weichen dafür können immer wieder neu gestellt werden.
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