Montag, 27. Juli 2015

Was kann ich denn eigentlich?

„...das Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg ermittelte 2013 gewaltigen Orientierungsbedarf bei angehenden Abiturienten. Viele wirkten geradezu erschöpft – und sorgenvoll. Denn sie wissen, in der Leistungsgesellschaft wird jeder für seinen Erfolg oder Misserfolg selbst verantwortlich gemacht. Die unendlichen Möglichkeiten werden da eher als Last denn als Freiheit empfunden.
So erlebte es jedenfalls Ronja, 20, aus Lübeck. Mitten in den Abiturprüfungen vor drei Jahren schrie sie plötzlich ihre Mutter, eine Sozialpädagogin, an: "Hör endlich auf zu sagen' ihr habt alle Chancen der Welt! Das hilft mir nicht! Was kann ich denn eigentlich?" vollständigen Artikel lesen


Was kann ich denn eigentlich?

Für viele Schüler besteht die Schulzeit im bestmöglichen Erfassen von Inhalten, die sie nur mäßig
Bilquelle: ballet3_by-rolands_lakis_piqs_de
interessieren. Sie tun es, weil es verlangt wird, weil es wichtig ist für eine gute Note, weil... . Klausur schreiben, abhaken, weiter. Hin und wieder fügt es sich, dass einzelne Fächer oder Inhalte ansprechend präsentiert werden bzw. den „Nerv“eines Schülers/einer Schülerin treffen. Die Sprache lernt sich wie von allein, physikalische Experimente oder Zusammen- hänge faszinieren. Meist aber bleibt es beim Erfassen und Wiedergeben von Wissen. Unsere Kinder beenden die Schule nicht ungebildet, aber ratlos in Bezug auf die eigene Person.

 

 

Kann man in der Schulzeit etwas über sich selbst lernen?

Leider verlernen wir im Laufe unserer Bildungskarriere etwas, das uns eigentlich angeboren ist – Neugier. Am Anfang unseres Lebens ist Neugier ein enormer Motor der unsere Entwicklung vorantreibt. Wir wollen wissen, was hinter der Tür ist, im nächst höheren Regal, Klänge erzeugen, „echte“ Werkzeuge benutzen, endlich dürfen, was Größere auch dürfen. Neugier ist es, die SchülerInnen zu Themen und Tätigkeitsfeldern führt, bei denen es um mehr als um eine Information geht, in die sie eintauchen und immer wieder auch die Zeit vergessen – wenn es gut für läuft.

Fatalerweise scheinen Heranwachsende diesen Motor völlig zu verlieren, während sie damit beschäftigt sind, die ihnen gesetzten Ziele und Normen zu erfüllen. Scheitern ist nicht erlaubt, in jedem Fall ehrenrührig. Das positive Erkunden eigener Stärken und Interessen - eine Grundhaltung, kein Crashkurs - ist in der enggetakteten Wirklichkeit unserer Schulen selten anzutreffen. Arbeitsgemeinschaften und Vereine bieten hier ein wichtiges weiteres Erfahrungsfeld für alle, deren Begabungen und Interessen nicht einfach in einem Schulfach oder über Blockunterricht zu Tage treten.

Schülerleben und neugierig bleiben, geht das zusammen?

Ja, man kann Unterricht - auch über die Grundschule hinaus – von den Interessen der Schüler her gestalten. Und ja, es ist immer mit persönlichem Einsatz der LehrerInnen verbunden, weil jedes Abweichen vom Standard mehr Arbeit bedeutet. Doch Schule allein kann die Verantwortung nicht tragen. Interessen und Begabungen eines Heranwachsenden könne auf vielen Wegen im ganz normalen Leben entdeckt und gefördert werden. Dazu braucht es vor allem Menschen, die genau hinschauen, hinhören und sich Zeit nehmen für ein positives bzw. konstruktives Feedback.

Es ist toll, wenn man mit 18 Jahren eine Vorstellung hat, wo man beruflich anfange möchte. Genauso o.k. ist es, mit dem was ich weiß, zu beginnen und Erfahrungen zu sammeln. Tempo und Perfektion sind kein Garant für ein gelungenes Berufsleben. Wir entwickeln uns, lernen dazu, erwerben neue Fertigkeiten, können Ziele korrigieren bzw. präzisieren. Ein Studium oder eine Ausbildung sind damit immer erst mal ein Start in eine bestimmte Richtung. Erfahrungen, die wir sammeln und ein wachsendes Bewusstsein für die eigenen Stärken navigieren uns auf diesem Weg.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen